Aktion "Pfoten weg": Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch

Neue Aktion "Pfoten weg" startet in Villingen-Schwenningen. Mehrere Kooperationspartner unterstützen das Projekt vom 22. bis 24. April.

Die Kooperationspartner der Aktion "Pfoten weg". Von links Max Bammert (Weißer Ring), Robert Göhring (Lions-Freizeitwerkstatt), Landrat Sven Hinterseh (Schirmherr), Irmi Wette von der Konstanzer Puppenbühne, Markus Piro (Lions Club Schwenningen und Freizeitwerkstatt), Oberbürgermeister Rupert Kubon (Schirmherr), Roland Brauner (Lions Club Villingen) und Jochen Link (Weißer Ring). Bild: Sabine Naiemi

 

Krakenartige Umarmungen, Schlabberküsse, gute und schlechte Gefühle, schlechte Geheimnisse, sexualisierte Gewalt – Kinder sollen Nein sagen dürfen! Dass ihnen dieses Recht zusteht und wie sie davon Gebrauch machen können, lernen sie durch das Figurentheaterstück "Pfoten weg!". Nach einer ersten erfolgreichen Aktion im Jahr 2015, damals von der Lions-Freizeitwerkstatt finanziert, sei es an der Zeit, die nächste Schülergeneration stark zu machen.

 

  • Das Thema: Das Figurentheaterstück der Konstanzer Puppenbühne stärkt die Persönlichkeit von Kindern darin, Nein zu sagen, sich gegen unangenehme Nähe bis hin zu sexueller Gewalt zu wehren. Nach der ersten Projektreihe im Jahr 2015 finden es die Kooperationspartner an der Zeit, dieses Thema der nächsten Schülergeneration zugänglich zu machen. Aktive Kooperationspartner sind Irmi Wette von der Konstanzer Puppenbühne, der Weiße Ring, der Verein Grauzone, Frauen helfen Frauen, die Polizei Baden-Württemberg, Pro Familia, der Kinderschutzbund, Manuela Dirolf und die Freizeitwerkstatt der Lions Clubs Villingen und Schwenningen, welche die Aktion finanziert. Bei der ersten Aktion 2015 wurden 1000 Kinder und Jugendliche erreicht. Jetzt sei es an der Zeit, die nächste Schülergeneration sowie Eltern und Pädagogen zu sensibilisieren. "Das ist ein sehr wichtiges Thema", verdeutlicht Roland Brauner vom Lion Club Villingen.

 

  • Pfoten weg: Das Figurentheaterstück soll bei Kindern das Bewusstsein stärken und die Hemmschwelle herabsetzen, unangenehme Gefühle laut zu äußern, ihnen das Recht vermitteln, sich zu wehren. Seit 15 Jahren ist Irmi Wette von der Konstanzer Puppenbühne mit diesem Theaterstück unterwegs. Onkel Burschi und Tante Herzi überschreiten mit krakenartigen Umarmungen und Schlabberküssen Grenzen, kommen den Kindern zu nahe. Sausi und Brausi stellen die Instanz der Zivilcourage dar, die Katzenfee bringt den Kindern bei, Nein zu sagen. Täter manipulieren über eingeredete Schuldgefühle ihre Opfer, verdrehen deren Wahrnehmungen. Die Kinder lernen, dass nicht sie die Schuldigen sind und dass "dumme Geheimnisse, die Bauchschmerzen machen" raus müssen, so Irmi Wette. Sie trete bei den Aufführungen mit den Kindern in Interaktion. Die Katzenfiguren als Charaktere seien deshalb gewählt worden, weil Katzen als Schmusetiere gelten, aber auch Krallen zeigen und weglaufen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. "Wir wollen Opfern helfen, aber auch dafür sorgen, dass es möglichst keine Opfer gibt", sagt Jochen Link vom Weißen Ring Villingen.

 

  • Resonanz: Innerhalb von 15 Jahren habe sie mit "Pfoten weg" mehr als 56 000 Kinder erreicht, berichtet Irmi Wette. 2018 seien es allein schon 2300 Kinder. Max Bammert vom Weißen Ring Villingen zeigt eine erschreckende Statistik auf. Laut polizeilicher Kriminalstatistik seien 2016 in Deutschland 12 000 Ermittlungs- und Strafverfahren wegen Kindesmissbrauch verzeichnet worden. Das Dunkelfeld sei weitaus größer. Man könne davon ausgehen, dass etwa ein bis zwei Schüler pro Klasse von sexueller Gewalt betroffen seien. Diese finde am häufigsten innerhalb des engsten Familienkreises statt sowie im weiteren Familien- oder Bekanntenkreis. Täter sind größtenteils Männer.

 

  • Aktionstag: Vom 23. bis 24. April finden in St. Fidelis mehrere Aufführungen täglich statt. Die drei Tage sind mit mehr als 1000 angemeldeten Schülern und rund 100 Pädagogen bereits ausgebucht. Am Sonntag, 22. April, gibt es im Rahmen eines Aktionstages ab 14.30 Uhr freien Zugang für interessierte Eltern und Kinder, die nicht über die Schulen angemeldet sind. Vertreten sind an diesem Tag auch die Kooperationspartner mit Informationsständen. Für Kinder gibt es Basteltische und Katzenschminken. Manuela Dirolf wird einen Vortrag zum Thema "Prävention von sexualisierter Gewalt" halten und das Stück "Pfoten weg" wird aufgeführt.