Applaus für märchenhafte Musik

Jörg Iwer hat ein Kinderbuch für ein Familienpublikum vertont. Die beiden ersten Aufführungen in Schwenningen und Villingen werden zum großen Erfolg. Die Lions Freizeitwerkstatt unterstützte das Projekt finanziell.

Kinder und Eltern finden die vertonte Geschichte von Louis und seiner Schwester Sarah einfach wunderbar. | Bild: Gunter Faigle
Kinder und Eltern finden die vertonte Geschichte von Louis und seiner Schwester Sarah einfach wunderbar. | Bild: Gunter Faigle

Der russische Komponist Sergei Prokofjew schrieb 1936 sein berühmt gewordenes Musikalisches Märchen „Peter und der Wolf“ – und Jörg Iwer, der künstlerische Leiter des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen und Komponist, ist nun zum wiederholten Mal auf ähnlichem Pfad gewandelt. Am Wochenende ist seine neue Komposition „Der Tag, an dem Louis gefressen wurde“ nach dem Kinderbuch von John Fardell sowohl in der Stadtbibliothek in Schwenningen als auch im Franziskaner Konzerthaus in Villingen mit sehr großem Erfolg aufgeführt worden.

Insgesamt über 500 Kinder und Erwachsene haben die beiden Familienkonzerte besucht, zu denen der Autor und Illustrator Fardell eigens aus dem schottischen Edinburgh angereist war. Das von Bettina Münch ins Deutsche übersetzte Buch aus der Gattung Fantasy schafft mit spannender Erzählung und detailreichen Zeichnungen eine märchenhafte Welt, die insbesondere Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren fasziniert.

Iwer ließ sich von der Geschichte bezaubern und kam auf die Idee, die beiden Hauptfiguren, die Geschwister Louis und Sarah, auch musikalisch zu charakterisieren, und zwar durch eine Bratsche und eine Geige. Mit je einem Schluckster, Grabscherix, Wasserschnapper, Dornrückenschlürfer und Säbelzahnschlinger hatte er es zudem mit gleich fünf kleinen Monstern zu tun. Da dachte der kinderfreundliche Komponist an die klangfarblichen Möglichkeiten von Horn, Klarinette, Posaune, Fagott und Kontrabass.

Und weil noch Fahrrad und Roller mit im Spiele sind und schließlich ein hilfreicher Frosch mit von der Partie ist – durch Harfe und Cello vertreten -, war eine Absicht von Iwer buchstäblich spielerisch erfüllt: Kinder mit den Instrumenten des Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Seine praktischen und künstlerisch erfahrenen Helferinnen und Helfer aus dem Sinfonieorchester VS waren dabei Sandor Varga, Natalia Khovracheva, Aileen Jenter, Nadia Sofokleous, Christof Mößmer, Akio Koyama, Zenon Kazimierz-Strittmatter, Barbara Gollwitzer und Steffi Schempp.

Iwer nennt im Untertitel seiner am Samstag in Schwenningen uraufgeführten Komposition, er habe sie „in Form einer Passacaglia“ geschrieben. Das ist ein musikalischer Fachbegriff und bedeutet so ungefähr, dass er ein Stück in mäßig dahinfließendem Tempo geschrieben hat, bei dem sich die Instrumente in einem fort gegenseitig ablösen und bestimmte Harmonien variieren. Ganz ohne Musikerjargon kommt Iwer allerdings aus, wenn er kindgemäß verständlich den kleinen Zuhörern erklärt, wie alles miteinander zusammenhängt. Und er vergisst natürlich nicht, den Mann vorzustellen, der zur Musik die Texte der Geschichte spricht: den Pädagogen Henry Greif, der ja als Schauspieler und Vorsitzender der Stadtharmonie vielen bekannt ist.

Als Kinder aus dem Publikum selbst an dem Stück mitwirken dürfen, sind sie begeistert und unterstützen die Musiker mit Mundgeräuschen: Sie schnappen und schlucken und blubbern in Wassereimerchen.

Zum Schluss helfen alle dem tapferen Louis, die bösen Monster lautstark in die Flucht zu schlagen: „Hände weg von meiner Schwester oder ich fress' euch alle auf!“

Nach den Konzerten war John Fardell ein gefragter Mann: Mit großer Geduld signierte er dutzende von Büchern, schrieb Widmungen und zeichnete nach Wunsch ganz individuell noch das ein oder andere Monster dazu.

Das Familienkonzert des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen war eine Kooperation mit dem Kulturamt und der Stadtbibliothek.